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Kinofilmstarts unter Sherlock’s Lupe

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Kinners, es ist wirklich Herbst. Von den Bäumen vor der Gästeresidenz PelikanViertel schüttelt’s Kastanien im Minutentakt herunter. Sinkende Temperaturen wecken die Sehnsucht nach Kakao und Kuscheldecken und die Suche nach jahreszeitlich angemessener Freizeitgestaltung fokussiert sich zunehmend auf geheizte Räume. Herbstzeit ist Kinozeit. Geht in der kälteren Jahreszeit immer.

Ich habe mir daher für euch mal wieder einige Kinostarts (Ende September – Mitte Oktober) angeschaut und daraus drei Neustarts herausgepickt.

Streifen Nr. 1

Endlich gibt es wieder ein neuen Film von François Ozon. Ich liebe seine Filme. Bekannt dürfte er vor allem durch „8 Frauen“ und „Swimmingpool“ sein – meine Aufmerksamkeit hat er, seitdem er 2004 „Cinq fois deux“ in die Kinos brachte. Nun also Frantz. Eine schwarz-weiße Neuinterpretation des Ernst Lubitsch Melodrams „Der Mann, den sein Gewissen trieb“ und über das der Spiegel schreibt: „Ein filmisches Meisterwerk über die Kunst des Verzeihens – und die Kunst der Lüge“.

Film Nr. 2 ist ein Dokumentarfilm, der sich mit den Sehnsüchten und Ängsten im Europa dieser Zeit beschäftigt.

Streifen Nr. 2

Willkommen an den Rändern Europas. Der Dokumentarfilm „Europe, she loves“ zeigt vier junge Paare in ihrem Alltagskampf zwischen prekären Jobs und Beziehungsstress. Dazwischen immer wieder Nachrichtenbilder und Radiofetzen von der europäischen Politik. In Dublin versuchen Chivonne und Terry vergeblich von den Drogen wegzukommen, in Talinn reibt sich Veronica zwischen ihrem Job als Go-Go-Tänzerin und ihrer Patchwork-Familie auf, in Thessaloniki ist Penny unglücklich mit dem Pizza-Fahrer Nikolas und in Sevilla schmiedet die frisch verliebte Caro Fluchtpläne. Regisseur Jan Gassmann kommt seinen Protagonisten irritierend nah – sodass man zweifelt, ob der Film wirklich rein dokumentarisch ist.

Er zeigt die desillusionierte, europäische Jugend in Nahaufnahme, filmt sie unter der Dusche, beim Sex, beim Drogen nehmen. Ohne die große Politikkeule zu schwingen macht der Film aber deutlich: das Problem von Europa sind nicht ein paar Millionen Flüchtlinge und schon gar nicht der Islam. Das Problem ist der Kapitalismus, der sein Versprechen gegenüber seinen Kindern nicht einlöst. Passend dazu klingt der Film mit dem Track „Europe is lost“ von Rapperin, Spoken-Word-Artist, Roman-Autorin und Sprachrohr ihrer Generation Kate Tempest am Ende aus. „Europe, she loves“ lief in diesem Jahr im Panorama der 66. Internationalen Filmfestspiele von Berlin und ist in der Hauptstadt gerade im Babylon Kino angelaufen – ich hoffe, dass er auch bald seinen Weg in eines der hannoverschen Kinos finden wird.

Auch Film Nr. 3 beschäftigt sich mit ähnlichen Fragen, dargestellt als krasser Roadtrip durch Amerika.

Streifen Nr. 3

Die Oscar-prämierte, britische Regisseurin Andrea Arnolds bringt nach „Fish Tank“ und „Wuthering Heights“ nun mit „American Honey“ ihren ersten US-Film in die Kinos. Ein knapp 3-stündiges Roadmovie über die Kinder eines neuen Amerikas, das die Gemüter ganz sicher spalten wird. David Rooney von The Hollywood Reporter meint darüber: Einige wird er als mutige, freie, subkulturelle Odyssee begeistern, übersät mit lyrischen Momenten, während andere angesichts der aufgebauschten Laufzeit und dem Mangel an narrativen Ereignissen nur mit den Schultern zucken werden. So oder so ist „American Honey“ ein sehenswerter Film. Und am Allerbesten selbstverständlich nur im Originalton ;-).

So, das wäre es fürs Erste für heute aus der Kinowelt im Oktober.

Es grüßt euch, mit einem heißen Kakao,

Euer Sherlock

 

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