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Reklamekunst aus Hannover im August Kestner Museum

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Das Museum August Kestner am Trammplatz 3 wirbt überall mit seiner Ausstellung „Reklamekunst aus Hannover – von Leibniz-Keks bis Pelikano“ und so beschließe ich, den letzten Sommtember-Tag des Jahres dafür zu nutzen, um mich dort mal umzuschauen. Schon lange wollte ich diesem Museum, das manchmal mit der ähnlich klingenden Kestnergesellschaft verwechselt wird, einen Besuch abgestattet haben. Irgendwie hat es sich bis heute nie ergeben. Doch diese Ausstellung, die sich der Entwicklungsgeschichte der Reklame am Beispiel hannoverscher Markenfirmen nähert, ist für jemanden, der im PelikanViertel lebt, fast schon ein Pflichtprogramm.

Am Trammplatz

Mit dem heutigen Gebäude hat es eine Besonderheit, die sich dem Betrachter nicht auf den ersten Blick erschließt. Dieses Museum ist 127 Jahre alt und damit das älteste, städtische Museum Hannovers. Im Jahr 1889 eingeweiht und im Stil der Neorenaissance erbaut, wurde es durch Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg teilweise zerstört. Der heutige Betonwürfel mit seinen 5.000 kleinen Fenstern, mit dem die Gebäudereste des ursprünglichen Museums einfach überformt wurden, entstand in den Jahren 1958-1961 unter der Leitung von Irmgard Woldering. Der Kern des historischen Museums ist demnach also noch vorhanden, wenngleich nicht offensichtlich.

August Kestner Museum

Kestner Eingang

Wer war der Namensgeber August Kestner?

Die Familie Kestner gehörte im 18. und 19. Jahrhundert zu den sogenannten Hübschen Familien im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Georg August Christian Kestner (*28.11.1777 in Hannover, † 05.März 1853 in Rom) war der Sohn des Juristen und Archivars Johann Christian Kestner und dessen Ehefrau Charlotte Buff. (Ja, genau. Es ist die Charlotte Buff, in die Johann Wolfgang von Goethe unglücklich verliebt war und woraus später „Die Leiden des jungen Werthers“ entstand.) Nach einem Jurastudium an der Universität in Göttingen schlug August Kestner die Diplomaten-Laufbahn ein als königlich-hannoverscher Geschäftsträger und als Gesandter beim Heiligen Stuhl in Rom sowie dem sizilianischen Hof in Neapel. Da zu dieser Zeit eine Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover bestand und das Vereinigte Königreich keine diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl unterhielt war Kestner insofern auch der erste Botschafter des Vereinigten Königreiches im Vatikan. Als Kunstliebhaber sammelte er ägyptische und griechisch-römische Kleinkunst, die als wesentlicher Teil des Gründungsbestandes für das heutige Museum gilt. Darüber hinaus war er Mitbegründer des späteren Deutsches Archäologisches Institut.

August-Kestner

Ein Thron gegenüber des Portraits von August Kestner lädt Besucher des Museums dazu ein, sich über die Größe seiner Sammlungen in Ruhe zu informieren.

Thron im August Kestner Museum

Ich mache mich auf in die Ausstellung, die Reklamekunst aus Hannover – in der Zeit von 1900 bis 1970 – präsentiert.

Treppenaufgang August Kestner

Gleich in der ersten Plakatsammlung im Eingangsbereich tauchen Namen wie Continental, Appel, Dunlop, de Haen, Bahlsen, Pelikan und viele weitere auf.

Hannoversche Werbeplakate

Werbeplakate aus Hannover

Salon Stereoskope, die um 1900 ihre Fans hatten.

Salon Stereoskop

Salon Stereoskop um 1900

Durchs Salon Stereoskop geschaut

Der Werbefilm

Ich gehe in das Mini-Kino, das auch Bestandteil der Ausstellung ist und schaue mir alte Werbefilme von verschiedenen Unternehmen an.

Werbefilm für den Füllhalter Pelikano 1960

Werbefilm für Pelikano

Ja, ja. Auch ich zähle mich zu denen, die mit einem Pelikano-Füller schreiben gelernt haben. Die Füller der GEHA-Fraktion meiner Schulklasse sind hier werbetechnisch noch nicht vertreten, da das Unternehmen jünger ist.

Pelikan Werbeartikel

Bunte Emaille-Schilder aus verschiedenen „Epochen“.

Emailleschilder

Ein Plakat aus dem Jahr 1911. Damals gab es eine angesehene Zeitschrift mit dem Namen „Das Plakat“, die 1920 konstatierte, dass sich in Hannover eine über die Stadt hinaus bedeutsame Werbekunst entwickelt habe – was einigen wenigen Firmen zu verdanken sei, die durch die Neugestaltung ihrer Werbemittel heimischen Künstlern bedeutende Schaffensmöglichkeiten gegeben hätten. Namentlich genannt wurden darin die Firmen Bahlsen und Günther Wagner (Pelikan).

Hannoversches Musikfest 1911

Bewegte Reklame ist auffällig. Nicht nur auf Firmenkutschen und -wagen prangten Schriftzüge der Hersteller, auch der sich entfaltende öffentliche Nah- und Fernverkehr wurde in die Dienste der Warenreklame gestellt. Eine wichtige Rolle spielte in Hannover die „Überlandwerke und Straßenbahnen Hannover AG“ (Üstra). In den 1920er Jahren richtete die Deutschen Reichseisenbahnen verstärkt Werbeflächen in Zügen, an Bahnhöfen und an den Gleisstrecken ein. Sehr geschickt vermarktete die Firma Bahlsen ihre Produkte auch als Reiseproviant und sandte Bauchladenverkäufer auf die Bahnhöfe.

Leibniz Kekse im Bauchladen-Verkauf am Gleis

Ein Plakat des Verein für Fremdenverkehr; heute gibt es die Hannover Marketing und Tourismus GmbH.

Verein für Fremdenverkehr

Plakatkunst.

Kurt Schwitters, auch Werbegrafiker

Künstler Plakate

Ich bin am Ende der Ausstellung angelangt und kann euch diesen Rundgang nur wärmstens empfehlen. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 5 €, für Kinder 3 €.

August Kestner Museum

Trammplatz 3

30159 Hannover

Öffnungszeiten

15.09.2016 bis 29.01.2017
dienstags  donnerstags  freitags  samstags  sonntags
von 11:00 bis 18:00 Uhr

15.09.2016 bis 29.01.2017
mittwochs
von 11:00 bis 20:00 Uhr

Ende der Ausstellung

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  1. Sofort hin gehen! Wenn ich da nicht schon drin gewesen wäre, würde ich gleich los ziehen. So schön lebendig… Das hat der Blogeintrag toll eingefangen. Und er vermittelt tatsächlich sehr viel Wissen. Also scheint das Museum sein Ziel erreicht zu haben- Besuchermagnet und Bildungszentrum zugleich. Ach, Hannover von vor dem Krieg und vor den Kommerzialisierungen der letzten Jahrzehnte. Das war ein buntes Treiben, eine schöne Warenwelt und traditionsbeflackte Immagebroschüre. Es wurde noch ausprobiert. Manches klappte, Anderes wirkt heute skuril oder gar schrill…
    In Berlin schickt die durch crowdfounding gerettete Sawade- Schokolade ihre Promotion- Girls wieder mit einem keck schief sitzenden Pralinenschachtel-Hütchen und Bauchladen los. Man braucht doch solche drolligen Momente, um irgendwas mit einer Marke zu verbinden.

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