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Mr Pommeroy

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Zehn Jahre war er in unserer Mitte. Er war Teil unseres Teams. Und wir waren sein Rudel. Auch für viele unserer Langzeitgäste und wiederkehrenden Gäste gehörte er zu ihrem Aufenthalt in der Gästeresidenz so selbstverständlich dazu wie der Pelikan zum Viertel. Letzten Sonntag ist er über die Regenbogenbrücke gegangen. Wir sind so unendlich traurig und können es nicht fassen, dass er nicht mehr unter uns weilt. Dieser Blogpost ist ein Nachruf auf unseren treuesten Freund. Auf eine einzigartige, sanftmütige Hundepersönlichkeit. Den weltbesten Detektivhund aller Zeiten.

Als Du Ende Juli 2007 zu uns kamst, warst Du gerade mal gut 12 Wochen alt und wirktest in unserer großen Lobby noch ein bisschen verloren…

…doch schnell hattest Du begriffen wo Dein Plätzchen im Büro ist…

… auf den Grünflächen rund um die Gästeresidenz haben wir mit Dir „an der Leine gehen“ geübt. Eine gewisse Herausforderung für einen Basset Hound, dem Dickschädeligkeit und Sturheit ja in die Wiege gelegt wurden. Wenn Du nicht mehr weitergehen wolltest, hast Du Dich einfach hingelegt und Deine Pfoten wurden Saugnäpfe, fest mit dem Boden verankert. Da half kein Reden oder Ziehen. Du hattest Deinen ganz eigenen Kopf, hast uns gezeigt, dass es jetzt und in dieser Minute nur wichtig ist an diesem Grasbüschel gaaaaanz lange zu schnuppern. Wir haben Dich in dieser Zeit ziemlich viel getragen, was Du wiederum ziemlich klasse fandest.

In der Welpenschule, die wir dann mit Dir besucht haben, solltest Du eigentlich etwas lernen. Es war eher umgekehrt. Du wurdest, weil Du so ein exorbitant gutes Sozialverhalten gezeigt hast, oft als Vermittler den „schwierigeren“ oder sagen wir auffälligeren Welpen als Begleitung an die Seite gegeben. Durch Deine freundliche Ruhe und Angstfreiheit hast Du ihnen gezeigt, dass alles gut ist. Spielchen hingegen, wie einen Futterdummy bringen oder Wettbewerbe in denen man gegen andere Welpenbesitzer einen Pacours ablaufen und auf Kommando Sitz und Platz machen soll, wurden von Dir weitestgehend boykottiert. Wir haben dann der Welpenschule schnell nach ein paar Wochen adé gesagt.

Dein Eldorado war die Hundewiese in der benachbarten Eilenriede. Jeden Tag – bei Sonne, Regen, Wind und Schnee – sind wir dorthin, damit Du Deine immer zahlreichender werdenden Freunde treffen konntest.

Wir haben mit Dir staunend die Welt neu entdeckt…

Das bist Du als Teenager auf Deiner allerersten Reise… es ging in die Bretagne. Unvergessen der Moment als Du gesehen hast, dass wir am Ende des Urlaubs gepackt haben und Du Dich fast auf unsere Koffer und Taschen, die vor unserem Bulli standen, gelegt hast. Damit wir Dich nur ja nicht vergessen mitzunehmen.

Du kannst inzwischen Sitz, Platz und auch Shopping (auf den Rücken legen), weil wir eine gute Kommunikation miteinander aufgebaut haben. Du machst es, weil Du uns magst. Nicht weil man es so macht als Hund. Okay, Leckerlis waren auch im Spiel…

Und das bist Du auf Deiner ersten Fahrt auf einem Solarboot. Auf dem Grienericksee in Rheinsberg…

Als Du zweieinhalb Jahre alt warst, haben wir uns mal während eines ausgiebigen Spaziergangs durch die Eilenriede telefonisch bei der Züchterin Ute Wackermann gemeldet. Einfach nur so. Um zu fragen, ob sie Dich mal wieder sehen möchte. Wir haben uns selbst – Kuchen und Torte ankündigend – zum Kaffee ins niederrheinische Bedburg-Hau eingeladen, was sie toll fand. Am Ende des Telefonates wurde gefragt, ob es auch in diesem Jahr einen Wurf gegeben hatte, was sie bejahte. Auf die Frage, ob alle Welpen schon verkauft wären, kam die Antwort: „Alle. Bis auf eine.“ Da die Züchterin immer so schöne Namen für ihre Welpen findet, wurde sich natürlich nach diesem erkundigt. „Den darf ich Ihnen eigentlich gar nicht sagen“, sagte sie postwendend und man hörte förmlich ihr Lächeln in den Hörer. „Sie heißt nämlich SOPHIE.“

Wir kamen zu dritt zurück von diesem Kaffeetrinken. Und Sophie (britisch ausgesprochen) kam in unser Team, in unser Büro und immer in Dein Körbchen.

Sie war ein kleiner, lustiger Frechdachs. Nicht so besonnen und ohne diesen herrschaftlichen, fast aristokratischen Charme, der Dich umgab. Noch keine 7 Tage bei uns, hatte sie es unbemerkt in den Abstellraum mit dem Futtersack geschafft.

Deine aufgeweckte und für einen Basset Hound nahezu quirlige Halbschwester hatte in ihren Flegeljahren nur Blödsinn im Kopf. Eine richtig kleine Zicke war sie und sie hielt uns alle täglich auf Trab. Wie oft haben wir sie suchen müssen. Es kam durchaus vor, dass das Sheraton Hotel nebenan sie an der dortigen Rezeption fand. Ein Grund, warum wir dann ein Holzgatter an die Bürotür angebracht haben…

Doch Du hast ihr gezeigt, wer der Boss im Haus ist. Auf Deine ganz spezielle pommeroysche Art. So wie hier, als Du ein Paket mit einer Brotscheibe auf dem Parkplatz der Gästeresidenz gefunden hattest, die die verfressene, liebenswürdige Fellnase neben Dir auch nur allzu gerne gehabt hätte.

Mit der Zeit habt ihr euch gut verstanden und viel miteinander gespielt und gerauft. Und seid danach erschöpft und schmollend vor den Bürotüren gelegen…

Sie ist Dir ans Herz gewachsen, diese Zaubermaus. Und sie war Dein. Das hast Du auch jedem anderen Hund, der zu Besuch kam, unmissverständlich zu verstehen gegeben. Dieses Körbchen hatten wir für Henry, den Havaneser einer lieben Freundin, parat gestellt. Nicht mit Dir…

Sophie übernahm sofort die Gastgeber-Rolle und kümmerte sich liebevoll um Henry. Überhaupt entwickelte sich Deine Schwester langsam zu einer fürsorgenden, nahezu mütterlich agierenden Hündin. Sie war stets wach und hatte immer alles im Blick, ganz besonders natürlich Dich.

Ihr wart beide fit in der Personensuche. Oder dem Mantrailing, wie man es in Fachkreisen so nennt. Basset Hound-Nasen sind die zweitbesten der Hundewelt. Nur der Bloodhound, der genetisch in Euch steckt, hat noch eine bessere. Euch macht man kein x für ein y vor. Ihr findet jeden. Wenn’s zum Trailen gehen sollte, wußtet Ihr das schon längst im Voraus, weil der Duft der Belohnung – nämlich gebratene Leber –  die es nur dann gab, dafür vorbereitet wurde und in Eure Nasen zog.

Ihr seid fast durch ganz Hannover getrailt. Kilometerlang seid ihr Spuren in der Natur gefolgt, manchmal sogar auch durch Einkaufspassagen, den Bahnhof oder die Fußgängerzone. Sophie war gut, doch Du hattest richtig Talent. Einmal das kurze Kommando und Du warst auf der Spur und nicht mehr davon abzulenken.

Und danach völlig platt…

An anderen Tagen waren einfach Markknochen das gewisse Highlight…

Wir erinnern uns noch an die Zeit als Du den Kreuzbandriss hattest, der operiert werden musste. Weil Du danach nicht wirklich laufen konntest, haben wir Dir ein neues Kuschelnest gekauft…

…wofür Du Dich mit wohligem Grunzen bedankt hast…

Unser Koffer-Caddy aus der Lobby war während dieser Zeit oft Dein Fortbewegungsmittel. Wie Sophie diese Vorzugsbehandlung fand, lässt sich deutlich an ihrem Gesichtsausdruck sehen.

Deinen Gesichtsausdruck zu diesem Teil haben wir allerdings auch verstanden…

Du und Sophie, ihr wart – wie es sich für Hotelhunde gebührt – gerne unterwegs und auf Reisen. Meistens in der Nähe von irgendwelchem Wasser…

Jedes Jahr an Silvester haben wir das zurückliegende Jahr natürlich feierlich mit einem „Dinner for one“ gucken verabschiedet – nur 2011 haben wir die Szenen live in der Lobby „nachgespielt“.

Von allen Reisen war jedoch die Tour mit dem Wohnmobil nach Wales wohl das Allergrößte… Freiheit, gutes Wetter, Großbritannien und sehr viel Spaß.

Leider sollte es Eure letzte gemeinsame Urlaubstour werden, denn Sophie, die wieder einmal ausgebüchst war, wurde am 23. Oktober 2013 von einem Auto auf unserem Parkplatz hinter dem Haus tödlich erfasst. Trauer zog ein in Pelikanien…

…und nur ganz ganz langsam rappelten wir uns alle wieder hoch…

…wir haben uns um Dich gekümmert und Du Dich auf Deine Art und Weise wie immer um uns. So sollte es ja auch sein in einem guten Team. Du wolltest vor allem dabei sein. Immer mit uns mit. Das war Dir am Allerwichtigsten.

…selbst dann, wenn es nur auf langweilige Meetings ging…

…oder solche Veranstaltungen wie Fußballgucken, die überhaupt nicht Dein Ding waren. Du warst mitten unter uns…

…So natürlich auch bei unseren Vorbereitungen zur 10-Jahres-Feier der Gästeresidenz, Du warst dabei.

… Nach und nach haben Du und wir wieder in einen Alltag ohne Sophie gefunden, sind wieder auf Konzerte gegangen… wie beispielsweise auf das Klassik Open Air am Maschpark, welches Du genial fandest…vor allem natürlich wegen der Musik, aber auch weil Dich das NDR-Filmteam gefilmt hat.

…Oder auf das Fuchsbaufestival, auf dem Du sogar von übereifrigen Ordnungswächtern für Stunden verhaftet wurdest. Dabei war es für Dich – weder musikalisch, noch Programm-mäßig, noch Schlammschlacht-mäßig – auch nur irgendwie im Ansatz nach Deiner Mütze…

Immerhin ist Dir mit diesem Besuch gelungen, dass Du es damit für alle Zeiten zum wohl einzigen Hund gebracht hast, der es heutzutage noch auf ein Festivalgelände geschafft hat…

Toll…

Deinen wundervollen Humor könnten wir mit endlos vielen, kleinen Geschichten beschreiben. Am besten trifft es jedoch wohl der tägliche Walk in die Eilenriede. Spaziergänger, die uns entgegenkamen, hatten schon fast Mitleid mit dem Menschen am Ende der Leine, weil Du soooooooooo langsam gegangen bist. Was sie allerdings nicht wissen, ist, dass Du, sobald die Luft rein und es menschenleer war, regelrecht losgesprintet bist. Sophie hat’s genauso gemacht. Wir wissen bis heute nicht, wie es Euch gelungen ist, den jeweiligen Moment so genau abzupassen. Manchmal kamen nur Sekunden später wieder Spaziergänger um die Ecke. Bassets sind Laufhunde, nur zeigen sie es nicht gleich jedem.

Auch Bilder beschreiben Deine ausgesprochen humorige Seite vortrefflich…

Du brauchtest Kinder nur zu hören und schon warst Du wie verzückt. Dich streichelnde Kinderhände waren bis zuletzt Dein allergrößtes Glück.

Nicht nur Du kanntest das PelikanViertel, jede Ecke und viele Menschen darin… das PelikanViertel kannte Dich auch.

 

So zum Beispiel Dein Meditationsbusch, an dem Du in unregelmäßigen Abständen urplötzlich stehen bliebst und miiiinnnuuuuuteeennlaaaaang regungslos verharrt bist.

Oder die Schafe in der Pelikanstraße: „Gestatten, Mr Pommeroy…“

Du warst ein Gourmet und kein Gourmand…

„Dinner for one“, Mr Pommeroy, blieb traditionell unser Jahresabschluß-Highlight am Silvesterabend.

Deine Reisen wurden mit der Zeit etwas „knochenschonender“ und ihr Radius etwas enger…

Das ist das letzte Foto was wir von Dir haben. Und wie immer bist Du mittendrin und dabei. Als Teil unseres Teams. Wir sind dankbar dafür, dass Du an unserer Seite warst und werden die Erinnerungen an die zauberschöne Zeit mit Dir immer in unseren Herzen bewahren.

Dein Rudel für immer

 

 

 

2 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Vielen Dank für Dein SEIN, Pommy und die vielen einzigartigen Momente!!!! Wir werden Dich nie vergessen!!
    Henry & Evi

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    • Vielen lieben Dank, liebe Evi und lieber Henry. Wir denken, er weiß das ganz genau. Sicher schauen uns die Beiden von oben zu und wundern sich mal wieder, warum wir Menschen uns mit allem immer so einen Stress machen. Letztendlich sind es viele, kleine, einzigartige Momente, die uns – egal ob Mensch oder Tier – miteinander verbinden. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir mit Pommeroy und Sophie sehr sehr viele davon hatten. Forever in our hearts

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