Artikelformat

Im Reisefieber… vierter Teil

Hinterlasse eine Antwort

Freitag, 27. Mai 2016. Es ist halb neun und ich bin in der Nähe von Turku in Finnland. Heute wird sich entscheiden, ob diese ungewöhnliche Geschichte, die die Fan-Gemeinde der Gästeresidenz PelikanViertel bis hierher über die Social Media Kanäle verfolgen konnte und die mich hier hergebracht hat, ein würdiges Happy End findet.

Ich bräuchte jetzt einen guten Kaffee, doch alles was Susanne und ich im Haus finden, ist Mokka. Auch beim Brot, das wir noch spät am Vorabend im Supermarkt gekauft hatten, haben wir uns aufgrund der „Sprachbarriere Finnisch“ offenbar komplett vergriffen. Es ist eine Art süßes Mischbrot, mit herzhaftem Belag nicht wirklich kompatibel.

Heute ist nun also der große Tag der Entscheidung. Wir möchten gerne mit Kristian Miettinen von Saaristomeren Suojelurahasto – Skyddsfond för Skärgårdshavet sprechen. Sein Name ist auf dem ausgedruckten Blatt Papier als Ansprechpartner erwähnt, welches wir gestern auf der MS Viking Line, auf der Fahrt von Stockholm nach Turku, von unserem „Tippgeber“ Matti freundlicherweise überreicht bekommen haben.

Ohne Unterstützung hätten wir diese regional tätige Institution in Turku, die sich für den Schutz des Schärenmeeres einsetzt, online nie ausfindig machen können. Deren Website vermittelt ihre Inhalte nämlich zu 99%  in Finnisch und Schwedisch; die anderen 1% ausgedruckt in Händen – denen nur generelle Informationen rundum eine Spendenmöglichkeit zu entnehmen sind – steigen wir in unseren Mietwagen und starten Richtung Turku.

Unser erstes Ziel an diesem Morgen ist Symbiosis, ein Symbol und Kunstwerk, das für die Erhaltung des Lebensraumes  steht. Es handelt sich hierbei um eine von Stefan Lindfors entworfene Skulptur, die laut Matti direkt am Hafen steht. Eine genaue Adresse für den Standort haben wir nicht, wir lassen uns darauf ein und schauen, ob wir es dort so entdecken können.

Unser Haus in Turku

Nachdem wir fast jede Straße im Hafen abgefahren sind und die Skulptur dennoch nicht gefunden haben, stoppen wir für einen guten Kaffee in der Nähe des Hafen Terminals. Die Finnen scheinen früher zu Mittag zu essen, es ist erst 11.00 Uhr und im 3. Linja ist bereits jeder Platz besetzt. Wir nehmen unseren Kaffee mit nach draußen und durchsuchen die Website von Saaristomeren Suojelurahasto – Skyddsfond för Skärgårdshavet nach ihrem Sitz, ihrer Adresse in der Stadt. Vanha Suurtori 7. Google Maps sagt uns, dass dieses ein Standort in der Altstadt von Turku ist.

3. Linga im Hafen von Turku

Turku (schwedischer Name Åbo) ist eine alte Stadt. Die Fläche auf der sie steht war schon in der Steinzeit besiedelt. Die Gründung der Stadt ist nicht exakt bekannt und wird in etwa auf das Ende des 13. Jahrhunderts datiert. Der Name Turku stammt von dem altrussischen Wort tǔrgǔ mit der Bedeutung „Marktplatz“ ab und das schwedische Åbo bedeutet soviel wie „Wohnsitz am Fluß“.

Noch am Hafen sehen wir auf unserer Fahrt die Mauern der Burg zu Turku durch das satte Frühsommer-Grün hindurchblinzeln. Die Burg ist das älteste mittelalterliche Gebäude Finnlands und liegt an der Mündung des rund 70 km langen Flusses Aurajoki, der durch Turku fließt.

Frühsommer in Turku in der Nähe der Burg

Die Burg zu Turku

Die Burg zu Turku

Garten vor der Burg in Turku

Einen Parkplatz in der Altstadt gefunden, bummeln Susanne und ich an Cafés, Shops und Restaurants am Ufer des Aurajokis entlang. Aura, das steht in der Übersetzung für den in der Landwirtschaft genutzten Pflug, während Joki das finnische Wort für Fluß ist.

In der Altstadt von Turku

Um die „Aura“ des Aurajokis, also die Wasserqualität dieses Flusses – dessen Quellen sich in dem lehmigen Hügelland rund um die südwest-finnische Ortschaft Oripää befinden –  ist es allerdings nicht so gut bestellt. Der „Pflug“, diese uralte Wasserader der Stadt, ist stark mit Nährstoffen belastet. Nährstoffe, die in das Meer gespült werden und dort zu Algenproblemen führen. Diese bräunliche Farbe entsteht durch die Einschwemmung von lehmigem Grund. Rund 95% des Trink- und Brauchwasserbedarfs für die Stadt Turku wird – trotz der geringen Qualität des Wassers – auch heute noch aus dem Fluss gedeckt.

Auf dem Fluß treibt Kunst langsam und beschaulich vor sich hin. Schwimmende Zeitzeugen, wohl platziert im Jahr 2011 als Turku – gemeinsam mit dem estnischen Tallinn – zur Kulturhauptstadt Europas ernannt wurde.

Kulturhaupstadt zusammen mit Talinn im Jahr 2011

Wir stellen fest, dass wir die Flußseite wechseln müssen, um zu unserer Adresse zu gelangen. Auf der anderen Seite angekommen, geht Susanne suchend voraus während ich noch schnell in eine Seitenstraße hineinschaue. Als ich wieder längs des Flusses marschiere, geht auf meiner Höhe ein Mann, so um die 60, der seine grauen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat und den ich – unterbewußt – sofort mit dem Thema Kunst verbinde.

Ich spreche ihn auf Englisch an. Er versteht mich und ich frage ihn – wie zuvor schon ein paar andere entgegenkommende Passanten – nach Vanha Suurtori 7. Ich weiß nicht warum, doch ich erzähle ihm – während wir so am Aurajoki entlang spazieren, den Grund für unseren Aufenthalt in Turku. Er hört mir aufmerksam zu, stellt einige Fragen und scheint die ganze Story offenbar interessant zu finden.

Am Aurajoki

Als ich an dem Punkt mit der Organisation, der Spende und dem Wunsch Kristian Miettinen zu sprechen angelangt bin, ist er irgendwie schon längst unser Guide durch Turku und führt Susanne und mich über die Vanha Suurtori, The Old Great Square, dem mittelalterlichen Marktplatz, dem Zentrum des historischen Turkus. Ihm selbst sagt die Adresse mit der Hausnummer 7 nichts, obwohl sein Arbeitsplatz in der Hausnummer 3 (auf den er kurz zeigt als wir daran vorbeigehen) liegt, macht sich nun gemeinsam mit uns engagiert auf die Suche nach dem Sitz der Organisation und lässt nebenher die eine oder andere Info über die Stadt, den Platz und die Geschichte Turkus fallen.

Am Aurajoki Fluß

Das ist übrigens die älteste, noch aus dem Mittelalter stammende, Gasse in Turku, die mich sofort – obwohl die Häuserwände keine Verzierungen oder bemalte Fensterläden aufweisen – in meine Zeit in Zuoz, dem  ältesten Engadiner Dorf unweit von Celerina und St. Moritz, zurückholen.

Die älteste Straße in Turku

Wir laufen zunächst in ein Haus an der parallel angrenzenden Hauptstraße Uudenmaakatu. Postkästen und Klingelschilder geben unserem Begleiter jedoch anscheinend nicht die Information nach der wir nun zu dritt suchen. Wir gehen also wieder heraus, um in eine verwinkelte Seitengasse abzubiegen, überqueren einen kleinen Platz und stehen dann vor einer gläsernen Eingangstür mit einer Vielzahl von für uns unverständlichen finnischen Schildern ohne Logo.

Unser Turku-Guide klingelt und es öffnet uns ein junger Mann die Tür. Nach ein paar kurzen Sätzen dürfen wir eintreten und werden in den zweiten Stock gebeten. Unser hilfreicher Begleiter, ohne den wir niemals hierher gefunden hätten, verabschiedet sich erst von uns, als die Tür mit dem Schild „Saaristomeren Suojelurahasto – Skyddsfond för Skärgårdshavet“ von innen geöffnet wird. Wir sind erleichtert und froh, dass wir den Ort gefunden haben.

Vanha Suurtori 3 in Turku Finnland

Im Flur stehend, werden wir von einer jungen Dame herzlich begrüßt, die sich – zusammen mit ihrer Kollegin, die dort just gerade auch am Kopierer steht –  aufgeschlossen und geduldig unsere Geschichte, die wir vortragen, anhören. Am Ende meiner Schilderungen sage ich nur: „Taddaah, und das ist der Grund, warum wir heute hier in Turku sind. Wir möchten diese 500 € gerne an Ihre Institution spenden und würden dazu liebend gern, wenn möglich, Kristian Miettinen sprechen.“

Schmunzelnd und noch leicht darüber erstaunt, warum zwei Frauen aus Deutschland sich ins finnische Turku aufmachen um eine 500 € Spende persönlich abzugeben, teilt sie mir mit, dass unser Ansprechpartner heute leider nicht im Haus sei. Ich tausche meine Visitenkarte mit Salla-Maria, die mir versichert, dass sie Kontakt zu Kristian Miettinen aufnehmen und mit ihm abklären will, ob unser Wunsch, sich auch mit einem Plättchen auf dem der Name der Gästeresidenz PelikanViertel steht, auf der Skulptur Symbiosis „verewigen“ zu dürfen, in Erfüllung gehen könnte. Normalerweise erhalten nur Unternehmens-Spendenbeträge ab einem Betrag von 1.000 € dieses Privileg.

pinella

Wir verbleiben so, dass Susanne und ich im benachbarten Restaurant Pinella (nach unserem Abend in Stockholm ist dieses nun das älteste Restaurant in dieser Stadt) auf Salla-Maria und ihre Antwort warten.

Auf dem Weg zum pinella

Terrasse des pinella in Turku

Bei dem sonnigen Wetter nehmen wir selbstverständlich auf der Terrasse Platz, bestellen uns eine Kleinigkeit zu Mittag und fragen uns, wie die Entscheidung wohl ausfallen wird.

Mittagessen im Pinella auf der Terrasse

Kaum habe ich erstmalig vom Salat probiert, kommt Salla-Maria mit ihrer Kollegin Sini-Maria bereits um die Ecke und sie setzen sich zu uns. Susanne und ich glauben beide anhand der Mimik zu deuten, dass es wohl nicht erfolgreich für uns war – denn die zwei Umweltschützerinnen halten sich zum Thema Spendenannahme und/oder Symbiosis-Plättchen am Anfang völlig bedeckt. Sie haben uns zwei Stoffbeutel mit Informationsmaterial über die Arbeit des Fonds und das Centrum Balticum, das die Schirmherrschaft über das in Turku beheimatete Projekt hat, mitgebracht.

Wir sprechen lange über die eigentlichen Projekte, bereits durchgeführte Maßnahmen und auch die notwendige Aufklärungsarbeit, die die noch junge Organisation dafür leistet. Nicht nur das Bewußtsein für die Erhaltung des Lebensraumes Schärenmeer ist geweckt, sondern es wird inzwischen von vielen Einheimischen mit zahlreichen, kleinen Initiativen und Einzelaktionen in den Dörfern rund um Turku mitgetragen und unterstützt. Wir spüren die echte, ehrliche Begeisterung für die Sache und hören eine große, regionale Akzeptanz dahinter heraus.

In den nur wenigen Jahren, die Saaristomeren Suojelurahasto – Skyddsfond för Skärgårdshavet nun existiert ist es bereits gelungen über 350.000 € an Spenden zu sammeln. 43 verschiedene Projekte sind damit bereits bis dato erfolgreich umgesetzt worden – alles kleinere und größere Schritte zur Verbesserung der Wasserqualität im Schärenmeer – und damit letztendlich nicht nur Aktionen zur Erhaltung dieses wunderschönen Fleckchens Erde mit seinen zahlreichen Archipelinseln, sondern im großen Kontext gesehen natürlich auch ein wichtiger Schritt aus Südwest-Finnland hin zu einer insgesamt saubereren und damit langfristig (über-) lebensfähigeren Ostsee.

 Salla-Maria und Sini-Maria

Nach einer Weile werde ich unruhig. Ich möchte zu gerne wissen, wie das Gespräch mit Kristian Miettinen verlaufen ist und spreche Salla-Maria direkt darauf an. Susanne und ich freuen uns wie die Kinder als wir hören, dass die Geschichte wie wir nach Turku gefunden haben, um eine Spende abzugeben so positiv aufgenommen wurde, dass auch wir ein Plättchen auf  Symbiosis erhalten werden. Was für ein schöner Tag. Was für eine großartige Stadt mit wunderbaren Menschen. Unsere Begeisterung und Freude ist derart groß, dass wir fast völlig vergessen Fotos darüber zu machen oder ein Live-Filmchen zu senden. Wir können es fast nicht glauben wie rund alles läuft. Es ist ein weiteres Zeichen auf dieser dreitägigen Reise, die wir für immer als außergewöhnlich und besonders in unserem Gedächtnis bewahren werden…

Wir beschließen zur offiziellen Spendenübergabe nach oben ins Restaurant zu gehen, denn dieser Bereich ist erst am Abend geöffnet. Auch innendrin im Pinella finde ich es sehr schön, ich starte mit meinem Lieblingsbild und führe euch durch die Räume.

Lieblingsbild

Im Pinella

Restaurant Pinella

Im Restaurant Pinella in Turku

Hier nehmen wir Platz, übergeben die Spende, bedanken uns für Alles und drehen im Anschluss noch eine kleine Video-Botschaft mit Sini-Marias iPhone, da meines (so typisch) wieder mal keinen Speicherplatz mehr bietet.

Das Spendengeld für die Organisation

Immer noch im absoluten Freudentaumel über die großzügige Geste und nachdem wir uns tausendmal mal bei Salla-Maria und Sini-Maria bedankt haben, machen wir noch dieses Erinnerungsbild zum Abschied. Im Herbst werden wir allerspätestens wieder in Kontakt stehen, da dann die nächsten Plättchen des aktuellen Jahres auf der Skulptur befestigt werden – und dann ist unseres dabei.

Susanne, Sini-Maria und Salla-Maria

Nachdem die beiden gegangen sind, setzen Susanne und ich uns wieder auf die Terrasse und feiern unsere rundherum gelungene Turku-Reise mit einem Stück Kuchen und einem Kaffee. Wir wollen uns unbedingt noch bei unserem Turku-Guide bedanken, ein wenig von der Altstadt sehen und natürlich einen Blick auf Symbiosis werfen.

Risto, so heißt unser Mann mit dem Zopf, treffen wir in der Turun Taidelainaamo auf dem Vanha Suurtori an. Und, was soll ich euch sagen – er ist wirklich in der Kunst tätig. An seinem Arbeitsplatz einer Kunstgalerie ist er täglich umringt von Artworks und Gemälden finnischer Artists. Ich bin sehr froh darüber, ihn angesprochen zu haben, denn so haben wir nicht nur unseren Ort gefunden, sondern bekommen zudem noch einen kleinen Einblick in die finnische Kunstszene. Thank you so much for everything, Risto! You’ve made our day a perfect and wonderful day!!!

Risto

Turun Taidelainaamo

Das ist der Dom zu Turku. Es ist die einzige, mittelalterliche Kathedrale in Finnland, die auch zu den finnischen Nationalheiligtümern zählt.

Der Dom zu Turku, ein finnisches Nationalheiligtum

Und diese Straße mit dem leichten San Francisco Charme heißt Uudenmaakatu. Es ist die Hauptstraße, an der der Dom liegt.

Uudenmaankatu

In diese wunderschöne, alte Stadtbibliothek werfen wir auf unserem Rückweg zum Auto auch einen kurzen Blick.

Die Stadtbibliothek in Turku

Während Susanne sich zuerst zu den Büchern im oberen Geschoss aufmacht, kläre ich ab, ob ich Fotos im Haus machen darf. Als ich dann versuche von der Projektion an die Wand, diesen Moment mit den Händen und den Blumen fotografisch einzufangen, hält Susanne mich dabei fotografisch fest. 😉

In der Bibliothek von Turku

In der Bibliothek von Turku

Danach geht es wieder in den Hafen, dieses Mal auch mit einer Adresse. Die Navi bringt uns schnell und unkompliziert dorthin.

Am Hafen von Turku

Das erste, was hier auffällt, ist ein imposanter Backsteinbau – das Forum Marinum. Mit „Here the sea begins“ begrüßt die Website ihre Besucher und ein ausgiebiger Blick darauf lohnt sich.

Forum Marinum in Turku

Na, was könnte das sein?

Was ist das

Genau. Es ist ein riesiges, hölzernes Gänseblümchen, das dort neben dem Segelschiff am Hafen rumlümmelt und um seine Beachtung „bittet“. 😉

Susanne und das Gänseblümchen

Das Gänseblümchen in Turku am Hafen

Wir sind jedoch auf der Suche nach Symbiosis, der Skulptur von Stefan Lindfors und werden wenige Schritte weiter fündig.

Symbiosis im Seitenprofil

Unser Fishbird. Fisch und Vogel in der Symbiose, ein dezenter Skulptur-gewordener Hinweis auf die Vereinigung als auch die gegenseitige Abhängigkeit beider Schöpfungen von einander.

Kiinnitä nimesi Symbioosiin

Kiinnitä nimesi Symbioosiin

Seitenprofil der Skulptur Symbiosis

A Fischbird

Wir betrachten es rundum. Schauen es uns ganz genau an.

Symbiosis im Hafen von Turku

Irgendwann im Herbst.. dann wird unser Plättchen als eine Erinnerung an diese außergewöhnliche Reise auch hier zu sehen sein…

Stefan Lindfors Symbiosis

Das Fischmaul

Glücklich darüber wie alles so perfekt zusammenspielte an diesem Tag, machen wir uns wieder auf den Weg in Sirpas Haus, das etwas außerhalb von Turku liegt. Als wir später am Abend wieder in der Altstadt sind, zelebrieren Finnen und Touristen in der Stadt den Freitag. Überall ist Musik zu hören und es herrscht ein reges Treiben rund um den Aurajoki und sogar darauf. Wir essen etwas im Restaurant Tintå und spazieren danach weiter durch die Nacht Turkus.

Restaurant Tintå

IMG_9703

Brücke über den Aurajoki in Turku

Als wir wieder zurück in unserer Airbnb Unterkunft sind, sitze ich noch lange auf der Veranda. Wie ihr wisst, kann ich keine auch nur halbwegs guten Fotos in der Nacht machen. Wenn es jedoch um zwei Uhr morgens – wie hier in Finnland – noch gar nicht dunkel ist, dann gelingt selbst mir ein Bild. Okay, es ist etwas grob-pixelig ;-).

Halb zwei nachts und es ist immer noch nicht dunkel

Am nächsten Morgen heißt es Koffer packen, Abschied nehmen von unserer tollen Gastgeberin Sirpa und der alten Hafenstadt Turku. Es ist bald 11.00 Uhr als wir in unsere kleine FIN-MaMa 345 steigen und Ziel auf das CaféArt für ein ordentliches Frühstück nehmen.

Finn MaMa

Café Art in der Altstadt von Turku

Bei gutem Kaffee ein letzter Blick auf den bräunlichen Aurajoki.

Frühstücken am Aurajoki

…dann geht es Richtung Helsinki auf die Autobahn.

Streetart in Turku

…durch schier endlos erscheinen wollende Wälder. Wir zählen Elchschilder auf dem Weg und scopen die Fahrt.

Auf der Autobahn Richtung Helsinki

Unsere FIN-MaMa wird kurz vor dem Flughafen wieder vollgetankt und nach einer etwas längeren Suche nach der Abgabestation für Mietwagen am Airport abgegeben.

Flughafen Restaurant Helsinki

Nachdem unser Gepäck auf dem Rollband verschwunden ist und wir durch die Security durch sind, bekommt Susanne ihr obligatorisches Gegen-Flug-Angst-Bier. Ganz schön saftig.

Das obligatorische Gegen-Flugangst-Bier

Rückflug von Helsinki nach Hamburg

Hamburg empfängt uns mit Sonnenschein. Noch am Flughafen lösen wir die Tickets für die Fahrt mit dem Zug nach Hannover und möchten eigentlich den um 20.21 Uhr erreichen. Mit der S-Bahn am Hauptbahnhof angekommen versorgen wir uns mit einem Franzbrötchen und warten auf unseren Zug. Auf dem Gleis steht der Nachtzug nach Zürich und es wird nicht angesagt oder kommuniziert, das man an diese Nachtwagenabteile auch einen Waggon angehängt hat, der wache Gäste bis Hannover fahren wird. Bis wir allerdings realisieren wo der steht, ist dieser Waggon dermaßen voll, dass wir beschließen den nächsten Zug Richtung Hannover zu nehmen.

Da wir somit über etwas Zeit verfügen, verlassen wir den Hauptbahnhof, grüßen kurz Heidi Kabels Bronzefigur, nehmen den kleinen Weg neben den Gleisen runter zur Alster und genießen die Sonne am Wasser.

Die eigene Geschichte

Kleiner Schleichweg vom Hauptbahnhof zum Wasser

Pause an der Außenalster in Hamburg

Als wir uns schlußendlich im Nachtzug nach Wien (mit ebenfalls nur einem regulären Waggon für den Stopp in Hannover) mit vier anderen Personen ein enges Sechser-Abteil der Bahnmodellbaureihe „Something around the late 70th or early 80th“ teilen, steuern wir langsam nach 21.00 Uhr aus der Abendsonne Hamburgs‘ Richtung zuhause und mir gelingt dieses Foto durch die fast blinden, ungeputzten Fenster dieses echten Retro-Waggons.

Fare well Hamburg

Um kurz nach 23.00 Uhr sind wir dann in Hannover angekommen und beenden mit einer Taxi-Fahrt zu unseren jeweiligen Wohnungen diese wirklich wundervolle, dreitägige Reise nach Finnland.

Mein kleines Fazit:

Es mag durchaus sein, dass es verrückt erscheint, für eine Spende in Höhe von 500 € in ein unbekanntes Land, eine unbekannte Stadt zu fahren – um diese dort persönlich abzugeben. Wenn dann auch noch nicht einmal im Vorfeld eine Organisation gefunden wurde, an die die Spende gehen soll, dann bekommt so eine Aktion in den Augen Vieler schnell einen Touch, der nur noch mit nicht planbarem und kostenintensivem Abenteuer zu vergleichen ist.

Doch was ist schon planbar? Eine Überweisung hätte auch schiefgehen können, weil nicht das richtige Konto oder nicht die richtige Organisation angesprochen wurde. Allen eventuellen Zweifeln zum Trotz haben wir es einfach gemacht. Sind los. In diesen drei Tagen haben wir sehr viele, freundliche Menschen, viel Neues kennengelernt und auch zugelassen. Wir konnten darüber zudem über unsere Social Media Kanäle nach außen berichten, kurz bevor die allgemeine Reise- und Urlaubszeit für die meisten von uns startet und so ein wenig Lust aufs Reisen übermitteln. Darüber hinaus haben wir eine Organisation bei einer für die Gemeinschaft sinnvollen Sache ein bisschen unterstützen können. Ich persönlich habe mein bisheriges, leicht ramponiertes Bild über die Finnen komplett revidieren müssen und überlege ernsthaft, ob ich dieses Land privat nicht nochmals mit dem Wohnmobil länger bereisen sollte. Wäre das Steinchen nicht auf dieses Ziel gefallen, dann hätte ich Finnland womöglich nicht als ein Reiseziel für mich in Erwägung gezogen.

Was jedoch – über allem – für mich dabei von Anfang an im Vordergrund für die Durchführung der Aktion stand – war weder Social Media, noch die Spende, noch Lust aufs Reisen versprühen – sondern es war die Reise ansich – als kleines Incentive für und Dankeschön an eine Mitarbeiterin, die sich seit 11 Jahren täglich mit viel Engagement, Fleiß und Einfühlungsvermögen um die Frühstücksgäste der Gästeresidenz kümmert und der als junge Mutter derzeit daher nur eine Beschäftigung in Teilzeit möglich ist. Rückblickend kann ich sagen, dass diese kleine Reise rundherum ein tolles Erlebnis und ab Hannover Hauptbahnhof vollkommen entspannt war (von dem Susanne vielleicht sogar noch ihren Enkeln erzählen wird ;-)) und die mich dazu animiert so eine, eine ähnliche oder ein ganz andere spezielle Aktion einmal jährlich für einen bestimmten Mitarbeiter/ eine bestimmte Mitarbeiterin aus dem Team umzusetzen. Denn, um es mit Konfuzius‘ Worten zu sagen: „auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.“

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.